Weniger Personal, weniger Programm? SRF gibt Antworten
Die von der SRG SSR angekündigten Sparmassnahmen sorgen auch bei der SRG Aargau Solothurn für Fragen. Nachdem die SRG Mitte September die konkreten Auswirkungen des Transformationsprojekts «Enavant» vorgestellt hat, wollte das Co-Präsidium unter anderem wissen, welche Folgen der Stellenabbau für das Programm und die Mitarbeitenden haben wird. SRF beantwortet die wichtigsten Fragen und ordnet die geplanten Massnahmen ein.
Was bisher im Kontext von Enavant kommuniziert wurde, läuft faktisch drauf hinaus, dass das Unternehmen innerhalb weniger Monate eine komplett neue Struktur erhält. Alles ist in Veränderung, Redaktionen werden umgebaut, Personen «hin- und herverschoben», die Leute sind im Job mehrfachbelastet, weil sie teils den alten Job, einen neuen Job und die Rekrutierung für ihren alten Job übernehmen. Diese «Operation am offenen Herzen» schürt Unsicherheiten und Stress. Wie fängt man die auf? (Wie wird geschaut, dass die Mitarbeitenden langfristig gesund und zufrieden sind oder wieder werden?) Und wann kehrt wieder Ruhe ein?
Die aktuelle Situation ist für viele Mitarbeitenden anspruchsvoll. Die SRG hat frühzeitig und transparent kommuniziert, dass die erforderlichen Einsparungen in dieser Grössenordnung nicht ohne einen Stellenabbau möglich sind. Gleichzeitig setzt sich die SRG dafür ein, beim Personalabbau die sozialen Auswirkungen auf die Mitarbeitenden so weit wie möglich zu begrenzen. Am insgesamt benötigten Stellenabbau von 900 Stellen bis 2029 hat sich nichts geändert. Die Sparvorgaben des Bundes sind klar. Was sich verändert, ist der Weg dorthin: Durch die restriktivere Wiederbesetzung kann die SRG die natürliche Fluktuation besser nutzen. Das heisst, freiwerdende Stellen werden nicht oder später wiederbesetzt – dadurch werden auch weniger Kündigungen nötig. Auch bei dem nun kommunizierten Stellenabbau in den Regionaleinheiten und im Bereich Angebot kann die Anzahl der Kündigungen wesentlich über die Fluktuation abgefedert werden. Bei SRF kann rund die Hälfte der betroffenen Stellen dank natürlicher Fluktuation abgebaut werden.
Schon jetzt ist die Situation in vielen Redaktionen so, dass Mitarbeitende doppelte Schichten und Dienste leisten müssen, wenn eine Person krankheitsbedingt ausfällt oder sonstwie ein Engpass entsteht. Und auch wenn nur das nötigste an Personal abgebaut werden muss, sind nun auch wieder 38 Stellen bei SRF betroffen. Führen diese weiteren Sparmassnahmen zu noch mehr Stress in den Redaktionen? Wie wird geschaut, dass das Programm mit weniger Personal einwandfrei funktioniert?
Die SRG setzt zuerst dort an, wo durch neue Strukturen, effizientere Prozesse, angepasste Herstellungsweisen und eine stärkere Zusammenarbeit Einsparungen erzielt werden können. Damit soll das Programm und die journalistische Leistung für das Publikum möglichst geschützt werden.
Das Programm sollte geschützt werden, hiess es einmal. Nun ist mit «Reporter», günstigerer Produktion diverser Formate und Verschiebungen im linearen Programm doch selbiges betroffen. Ist das erst der Anfang von Veränderungen, die noch kommen werden (müssen)?
Die SRG muss bis 2029 rund 270 Millionen Franken einsparen, hauptsächlich weil der Bundesrat eine Reduktion der Medienabgabe beschlossen hat. Davon müssen rund 80 Millionen Franken bereits bis 2027 eingespart werden. Deshalb stellt sich die SRG im Rahmen des unternehmensweiten Transformationsprojektes Enavant grundlegend neu auf. Damit trägt sie den tiefgreifenden Veränderungen in der Medienlandschaft Rechnung und wird digitaler, beweglicher und effizienter.
Rund 95 Prozent der Einsparungen für 2027 erreicht die SRG durch Anpassungen in Strukturen, Prozessen und Herstellungsweisen. Dadurch können wir das Programm im Interesse unseres Publikums möglichst schützen. Wie wir im Juni bereits kommuniziert haben, ist es gleichzeitig nicht möglich, Sparsummen in diesem Volumen gänzlich ohne Auswirkungen auf das Programm umzusetzen.
Wichtig ist auch: Die SRG will nicht einfach den Sparauftrag umsetzen, sondern sich gleichzeitig neu aufstellen und zukunftsfähig machen. Deshalb wurden die Entscheide nicht allein unter Spargesichtspunkten gefällt, sondern auch mit Blick auf die veränderte Mediennutzung und die digitale Weiterentwicklung des Angebots.
Die jetzt kommunizierten Programmmassnahmen betreffen das Jahr 2027, auch in den kommenden Jahren wird die SRG ihre Transformation weiterführen. Auf diesem Weg werden wir unser Angebot laufend überprüfen, weiterentwickeln und anpassen. Entscheidend bleibt, dass wir unseren publizistischen Auftrag auch wirksam erfüllen können.
Die Kultur-Radiosender der SRG sollen enger zusammenarbeiten. Das klingt für SRF 2 Kultur-Hörer:innen nach einem weiteren Abbau, nachdem sie in den letzten Jahren schon auf geliebte Inhalte verzichten mussten. Was sagen Sie diesen Menschen?
Kultur ist und bleibt auf allen Kanälen ein wichtiger Bestandteil des Service-public-Angebots – dazu zählt auch Radio SRF 2 Kultur.
Es ist eine Tatsache, dass Radio SRF 2 Kultur in den vergangenen Jahren an Publikum verloren hat. SRF arbeitet daran, Radio SRF 2 Kultur an das Nutzungsverhalten seines Publikums anzupassen. Die Kulturinhalte, auch für jüngere Zielgruppen, sind nicht nur im Radio zu finden, sondern u. a. auch in der SRF News App oder auf Play SRF. Die konkrete Ausgestaltung wird in den kommenden Monaten erarbeitet.
Andere online-Formate wie «rec.» oder «SRF Impact» werden ins lineare Programm aufgenommen. Will man damit das lineare Programm jünger machen (und kann das klappen?) oder geht’s einfach nur darum, Sendefläche zu füllen?
Es kommt immer wieder vor, dass SRF digitale Formate ins lineare Programm aufnimmt und umgekehrt. Diese Flexibilität in der Programmgestaltung ist wichtig. Über lineare Sendeplätze für Reportagen entscheidet SRF von Fall zu Fall. Das entspricht der Strategie «Digital first, linear second». Genaue Details werden nun ausgearbeitet.
Künftig kommen auch Formate von RSI und RTS ins SRF-Programm. Ist das Deutschschweizer Publikum bereit für diese Inhalte? (Gibt es positive Beispiele aus der Vergangenheit?)
Ja. SRF setzt bereits heute Synergien mit den Kolleg:innen von RTS, RSI und auch RTR um, so beispielsweise bei Newsbeiträgen oder Informationssendungen wie «Kassensturz» oder «Puls». Zudem gehört es zum öffentlichen Auftrag der SRG, dem Deutschschweizer Publikum auch Inhalte und Formate aus den anderen Sprachregionen zugänglich zu machen (und umgekehrt).