Was in Amerika passiert, bleibt nicht nur in Amerika

Schon bald stehen in den USA die Midterms an. Sie könnten die politische Balance im Land verändern und damit auch Trumps Handlungsspielraum beeinflussen. Was die Midterms für die Zukunft der USA, die US-Gesellschaft und die interntionale Politik bedeuten könnte, diskutiert die ehemalige US-Korrespondentin und heutige SRF-Redaktorin Viviane Manz am 20. Oktober bei einem Anlass der SRG Aargau Solothurn und der Volkshochschule der Region Brugg. Doch bevor wir in die Zukunft blicken, schauen wir hier noch einmal auf das, was bereits passiert ist: Insbesondere auf Trumps Verhältnis zu den Medien, seine Rhetorik und die Frage, was davon über die USA hinaus bleibt.

Ganz nach dem Motto «What happens in Vegas, stays in Vegas» lässt sich die Politik der Vereinigten Staaten wohl kaum verstehen. Denn was in Amerika passiert, prägt meist weit über die eigenen Grenzen hinaus. Mit Blick auf die medienpolitischen Entwicklungen in den USA bereitet diese Tatsache durchaus Bauchweh. Seit Januar 2025 ist Trump wieder Präsident. Seither tanzt die Grossmacht Amerika, begünstigt durch einen schwachen Senat, zunehmend nach seiner Pfeife. Mit seinem autokratischen Regierungsstil gerät er dabei immer wieder mit der Pressefreiheit aneinander.

Nachdem Trump wiederholt kritische Journalist*innen persönlich beleidigt und offen als «Volksfeinde» missbilligt hatte, ging er vor Kurzem noch einen Schritt weiter: Aufgrund, in seinen Augen, zu kritischer Berichterstattung wurde Reporterinnen von CNN, MS NOW und Politico der Zugang zum Weissen Haus verwehrt. Es folgte ein Protest in Form eines Boykotts, den auch andere Medienhäuser mittrugen – darunter sogar der Trump-freundliche Sender Fox News. Schliesslich stufte ein Gericht den Entscheid als «eklatanten Verstoss» gegen den Ersten Verfassungszusatz ein. Der Zugang wurde daraufhin, zumindest offiziell, wieder gewährt. Wie der Kampf zwischen Trump und den Medien weitergeht, bleibt offen.

Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass Trump die Pressefreiheit zu seinem Spielball macht. Bereits wenige Monate nach seinem Amtsantritt nahm die Trump-Regierung mehrere Comedians und Late-Night-Shows ins Visier. Zuerst traf es Stephen Colbert. Offiziell wurde seine Sendung aus Spargründen aus dem Programm von CBS gestrichen. Trump selbst machte jedoch kein Geheimnis aus seiner Abneigung gegenüber Colberts präsidentenkritischem Humor. Es besteht deshalb der Verdacht, dass der Vorsitzende der Rundfunkbehörde FCC, zufälligerweise Trump-Freund, Druck auf CBS ausgeübt haben könnte. Kurz darauf traf es Jimmy Kimmel. Er hatte die Regierung nach dem Attentat auf den rechten Influencer Charlie Kirk kritisiert. Nach mehr als 20 Jahren sollte auch seine Sendung eingestellt werden. Dank ausreichendem öffentlichen Druck kam es schliesslich dazu, dass dieser Entscheid wieder zurückgenommen wurde. Auch weitere Late-Night-Hosts sehen sich Trumps Drohungen ausgesetzt. Und das in einem Land, in dem die freie Meinungsäusserung eigentlich durch den Ersten Verfassungszusatz geschützt ist.

Doch auch abseits dieser vermeintlichen Trump-Zensur prägt Trump die Medienwelt stark und zwar mit seiner wohl mächtigsten Waffe: seiner Rhetorik. Sein politischer Stil ist populistisch und ist immer wieder offen rassistisch und sexistisch. Was ihm nicht passt, erklärt er zur Unwahrheit oder zur Lüge. Für eigene Fehler übernimmt er kaum Verantwortung, und Fakten scheinen für ihn nur dann zu zählen, wenn sie aus seinem eigenen Mund kommen.

Diese ständigen Falschbehauptungen und die fehlende Verantwortlichkeit für Gesagtes oder Geschriebenes verändern auch unseren Umgang mit Wahrheit. Denn wenn gesellschaftlich ausgehandelte Fakten selbst in einer der mächtigsten politischen Institutionen der Welt ihren Stellenwert verlieren, gerät das Fundament ins Wanken, auf dem gemeinsames Wissen überhaupt beruht: das Vertrauen darauf, dass etwas wahr ist. Ähnlich ist es Trump gelungen, das Vertrauen in glaubwürdige Medien zu erschüttern. Wenn alles, was einst als wahr galt, plötzlich als Lüge bezeichnet wird – wem soll man dann noch glauben? Social Media verschärft dieses Problem zusätzlich, aber das muss wohl, zumindest punkto Fake News, nicht weiter ausgeführt werden.

Was von all dem bleibt: Es verändert die Arbeit von Medienschaffenden, aber auch die Wahrnehmung von Medien im Allgemeinen. Und das eben nicht nur in Amerika, denn in vielerlei Hinsicht war Amerika für die westliche Welt Vorreiterin. Von Popkultur und Modetrends über Hollywood bis hin zu Technologien wie der Digitalisierung von Musik oder dem Internet. Ja, und schlussendlich haben wir auch unsere Verfassung bei Amerika abgeschrieben. Es soll nicht darum gehen, zu behaupten, dass unserer Medienlandschaft in unmittelbarer Zukunft Ähnliches bevorsteht. Dennoch geht uns die Entwicklung in den USA etwas an – ganz abgesehen von realpolitischen Verhandlungen und schon allein auf kultureller Ebene.

Damit zum nächsten Punkt: den Midterms. Im November wird der US-Kongress neu gewählt. Zwar ist der Senat nicht an Trumps Person gebunden, seine aktuelle Mehrheit ermöglicht es ihm jedoch, viele seiner politischen Vorhaben durchzusetzen. Die Kongresswahlen könnten deshalb einiges verändern – auch für Europa und den Rest der Welt. Und so bleibt zumindest die Hoffnung, dass auch in Sachen Presse- und Meinungsfreiheit künftig eher auf- als wie bisher, abgebaut wird.

Apropos Midterms 2026

Die SRG Aargau Solothurn veranstaltet in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule der Region Brugg einen Anlass mit der SRF-Redaktorin und ehemaligen US-Korrespondentin Viviane Manz. Zusammen mit ihr gehen wir der Frage nach, was bei den Midterms 2026 auf dem Spiel steht. Was bedeuten diese für die US-Gesellschaft, für Präsident Trump und für die internationale Politik? Viviane Manz berichtet aus erster Hand über ihre Erfahrungen in den USA, analysiert die aktuellen Entwicklungen und ordnet ein.

Der Anlass findet am 20. Oktober um 19:00 Uhr in der Aula BWZ Brugg Technik/Natur (Annerstrasse 12) in Brugg statt. Die Teilnahme ist kostenlos, erfordert allerdings eine Anmeldung.

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