«True Crime», ein Balanceakt
Anfang des Jahres lancierte SRF das Format «True Crime Schweiz». Weil sich die Redaktion darin dem Vierfachmord von Rupperswil annahm, zog die Kommission Programmbeobachtung der SRG Aargau Solothurn den Fall als Beobachtungsgegenstand heran.
«True Crime»-Formate verschiedener Anbieter sind seit einigen Jahren stark gefragt. Das Publikum konsumiert Inhalte, die Verbrechen rückblickend aufarbeiten, deren Motive und Folgen beleuchten. Auch SRF produzierte in der Vergangenheit einzelne Dokus oder Zweiteiler zu Verbrechen (bspw. zu Günther Tschanun, Werner Ferrari oder zum Sonnentempler-Drama). Anfang Jahr lancierte SRF «True Crime Schweiz» als neues Konzept: In jeweils drei Teilen wird ein Fall aufgearbeitet. Teil des «True Crime»-Angebots ist ein Videopodcast, der im Zweiwochenrhythmus und meist unabhängig von der Serien erscheint. Den Auftakt zum neuen Format machte der Vierfachmord von Rupperswil, der die Schweiz vor gut zehn Jahren erschütterte. Die drei Teile von «True Crime Schweiz – der Fall Rupperswil» liefen am 15. Januar 2026 auf SRF 1 und sind online verfügbar. Auch der Videopodcast widmete sich dem Fall mit Alex Moser als Gast, Regionalkorrespondent bei Radio SRF für die beiden Kantone Aargau und Solothurn. Der Podcast ist online abrufbar.
Für die Kommission Programmbeobachtung war dies Anlass, die journalistische Aufarbeitung des Falls zu beurteilen. Erwartungsgemäss polarisierte die Idee, reale Verbrechen, insbesondere ausserordentliche Gewaltverbrechen wie dieses, nochmals ins Bewusstsein zu bringen. Einige Kommissionsmitglieder fanden etwa, dass die Kleinräumigkeit der Schweiz stärkere persönliche Bezüge zu den Ereignissen schaffe als bei «True Crime»-Formaten aus beispielsweise den USA. Die Betroffenheit sei dadurch grösser. Im konkreten Fall verstärkte sich dies, da einige Kommissionsmitglieder aus der Region stammen oder Kinder im gleichen Alter haben. Für manche war der Dreiteiler daher «schwer verdaulich».
Die Erwartungen, wenn SRF «True Crime» macht, sind klar: Inhalte müssen rechtlich, psychologisch und kriminaltechnisch sachlich aufgearbeitet und vertieft sein. Dies sei der Redaktion weitestgehend gelungen, so die Kommission. Besonders die Personen, die über insgesamt knapp 90 Minuten hinweg den Fall – komplett ohne Kommentar oder off-Stimme – erzählten, trugen zur verständlichen und sachlichen Darstellung von Ereignissen, Ermittlungen und Prozess bei. Vereinzelt Kritik gab es an der Dramaturgie, etwa wenn wiederholte Einblendungen von Täterfotos mit dramatischen Soundeffekten hinterfragt wurden. Die Macher:innen räumten denn im Austausch mit der Kommission auch ein, dass es immer ein Balanceakt sei, den richtigen Weg zwischen Sachlichkeit und Unterhaltung, die ein solches Format ein Stück weit auch bieten müsse, zu wählen. Sehgewohnheiten des Publikums müssten berücksichtigt werden, auch wenn der respektvolle Umgang mit Personen und Ereignissen zentral bleibe. Positiv bewertet wurde die Illustration des Tathergangs mittels Animationen: Dass sie mit KI erstellt wurden, stiess jedoch teils auch auf Unverständnis: so werde eine Branche, die von entsprechenden Aufträgen lebt, übergangen.
Alles in allem beurteilte die Kommission Programmbeobachtung den Dreiteiler sowie den Videopodcast als gut und respektvoll umgesetzt. Gerade der betreffende Fall eines skrupellosen Gewaltverbrechens zeigte im Austausch zwischen Kommission Programmbeobachtung und Macher:innen die Grenzen des Formats auf.